Bericht aus dem Konradsblatt Nr.27 vom 2.. Juli 2000


Im Pfarrbrief steht die Gottesdienstzeit, in der Lokalzeitung der Bericht über das Pfarrfest, im Schaukasten sucht der Kirchenchor neue Mitsängen Jetzt können sich viele Gemeindemitglieder unabhängig von Zeit und Aufenthaltsort informieren - auf der Internet-Homepage ihrer Pfarrgemeinde.

pf@rrgemeinde-online. de           zurückzurück


Immer mehr Pfarreien gestalten ihre eigene Internet Homepage

"Die Idee, eine eigene Homepage einzurichten, ist großartig und lobenswert, denn dies ist das Medium, welches zukünftig ungehindert und ohne Zensur alle Ideen und Menschheitsträume verbreiten wird." So euphorisch wie dieser Eintrag im virtuellen Gästebuch auf der Internet-Homepage der Pfarrgemeinden in Dogern (Dekanat Waldshut) klingt es zwar nicht überall. Aber immer mehr Christen lassen sich von den vielseitigen Möglichkeiten des World Wide Web (www) überzeugen und bringen ihre Heimatpfarrei ins Internet. 

In Dogern gibt es eine ökumenische Homepage der katholischen und der evangelischen Pfarrgemeinde (www.kirche-dogern.de). Gebhard Renner, katholischer Pfarrgemeinderat, hat die Seiten aufgebaut und aktualisiert sie regelmäßig - vorerst noch allein. Die Pfarrsekretärin beantwortet Anfragen, die per elektronischer Post - der so genannten E-Mail - gestellt werden. Die Seite besteht seit Ende 1999, noch steht der Zähler bei knapp 900 Zugriffen. Für Renner spielen jedoch eher langfristige Überlegungen eine Rolle: "Das Internet ist ein Medium, das wächst." 

"Mindestens jede zehnte Pfarrei in der Erzdiözese Freiburg ist bereits online", schätzt Rolf-Valentin Jouaux, Webmaster des Internet-Angebots www.kath.de aus Mainz, das jeden Monat 100 000 Menschen besuchen, davon 5000 aus der Erzdiözese Freiburg. Und immer mehr Pfarreien planen ihren Internet Auftritt.

Die Vorteile: Zahlreiche Pfarrgemeinden haben die Erfahrung gemacht, dass ihre Homepage häufig von jüngeren Pfarreimitgliedern besucht wird, die nicht sooft unter der Kanzel anzutreffen sind. Menschen im gesamten deutschen Sprachraum können sich darüber informieren, was in der Pfarrei A oder B Ios ist. Und das Internet ist ein Kommunikationsmedium, das ergänzend zu persönlichen Gesprächen, Telefon und Fax benutzt werden kann. Jeder fünfte Deutsche ist mittlerweile online, Tendenz rasant steigend. Auf den ersten Blick scheint es also kein "Wenn und Aber" zu geben, wenn ein Pfarrgemeinderat darüber diskutiert, ob sich die Pfarrei im Internet präsentieren soll. Doch ganz so einfach ist es nicht. 

Beim Surfen durch das Angebot der Freiburger Pfarreien begegnet einem nicht selten der Oster-Gruß an Pfingsten, die Adventsmeditation im April, die Gottesdienstordnung von vor zwei Monaten. Und auch der blinkende Schriftzug "Brandaktuell!!!" über den Ergebnissen der Pfarrgemeinderatswahl


vom 2. April wirkt Anfang Juni irgendwie deplatziert. Niemand würde auf die Idee kommen, eine Zeitung herauszugeben, die keine Leser hat. Die Arbeit für eine Homepage lohnt sich nur, wenn sie besucht wird - und zwar immer wieder. Doch wer ruft eine Seite mehrmals auf, die keine neuen Inhalte bietet? _Wer sich nicht um seine Seiten kümmert, ruft schnell Desinteresse hervor, und das ist tödlich", erklärt Michael Belzer von der katholischen Glaubensinformation der Deutschen Bischofskonferenz in Frankfurt. Nicht wenige Angebote haben deshalb kaum Zugriffe. Verantwortliche in den Pfarrgemeinden sollten sich also zunächst Gedanken machen, was sie auf dem Gebiet des neuen Mediums leisten können und wollen. Erst dann lohnt es sich, über mögliche Inhalte zu sprechen.

"Die Seite sollte ein außergewöhnliches Element haben"      
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Wer unter www.st-jakobus.de die Homepage der Seelsorgeeinheit Hechingen (Dekanat Zollern) aufruft, dem begegnet neben den Standard-Rubriken "Wer sind wir", "Gottesdiensttermine" oder  "Gruppen in der Pfarrgemeinde" die Rubrik "Unbekanntes". Hier werden interessante Aspekte des Pfarreilebens beleuchtet - das Deckenbild der Johanneskirche Beuren, der Arbeitslosentreff oder die Partnergemeinde in Peru. Mit dieser Rubrik haben die Hechinger einen Vorschlag beherzigt, den Internet-Experten geben, um die Attraktivität der Homepage zu steigern: "Die Seite sollte ein außergewöhnliches Element haben", sagt Rolf-Valentin Jouaux, "das kann etwa eine Geschichte über den Kirchenheiligen sein, Aktionen der Pfarrei oder Sehenswürdigkeiten." Der Inhalt einer Homepage besteht in der Regel aus zwei Elementen: Information und Kommunikation. Neben der Anschrift der Pfarrei - möglichst auf der Startseite - und Ansprechpartnern sollte der Besucher die Möglichkeit haben, per E-Mail mit der Pfarrei Kontakt aufzunehmen. Natürlich wird ein Kontaktsuchender nicht gerade dadurch motiviert, dass er auf eine Anfrage tagelang keine Antwort bekommt. Nicht fehlen dürfen die Verweise auf andere Angebote im www - die so genannten Links. Zum Dekanat, zur Diözese, zur Partnerpfarrei, zur Bistumszeitung, zu anderen religiösen Angeboten.

Texte in epischer Breite sprechen die Benutzer nicht unbedingt an - am Bildschirm liest es sich nicht so gut wie auf Papier. _Man muss pointierter formulieren und sich vorher genau überlegen, welche Schwerpunkte man setzen möchte", erklärt Michael Hertl von der katholischen Fernseharbeit beim ZDF, die Pfarrgemeinden Hilfe zum Start einer eigenen Homepage anbietet. Ob bestimmte Inhalte Sinn machen oder nicht, da sind sich auch Experten oft uneins. Die einen empfehlen, Glaubensverkündigung - etwa eine besondere Predigt - zu veröffentlichen, die anderen raten gerade davon ab. Manche versuchen, ihre Seite möglichst bunt aufzumachen, wieder andere empfinden Bilder und Leuchtschriften als inhaltslosen "Schnick-Schnack". Letztlich kommt es wohl darauf an, konsequent eine Linie zu verfolgen.

Pfarrer Jörg Sieger aus Bruchsal hat festgestellt, dass sich viele seiner Kollegen für die Predigten interessieren - als Anregung für die eigene Verkündigung. Das Bruchsaler Angebot (www.joerg-sieger/ pfarrei.html) ist eines der ersten in der Erzdiözese, es besteht seit 1996. Besonderer Inhalt ist der "Bruchsaler Glaubenskurs", durch den Kontakt zu zahlreichen anderen Pfarreien entstanden ist. Pfarrer Sieger hat nach eigenen Angaben inzwischen über 12 000 Texte auf Anfrage versandt, pro Woche erreichen ihn fünf bis zehn E-Mails, die beantwortet werden wollen. Die Homepage ist bunt aufgemacht, die Informationstexte können in sechs Sprachen aufgerufen werden, unter anderem im örtlichen Dialekt "Bruslerisch". Vier inhaltliche Schwerpunkte sieht Pfarrer Sieger auf seinen Seiten: Verkündigung (Predigten, Einleitung ins Alte und Neue Testament), die Seelsorge, die Präsentation der Gemeinde (Geschichte, Bilder der Kirche) sowie den Identifikationsbereich für die eigene Pfarrei - Termine und Gruppierungen in der Gemeinde. Vor allem bei der Präsentation will Jörg Sieger das Interesse der Besucher wecken: "Nur Text ist langweilig, da gehören Bilder und Bewegung hin." Die Gestalter einer Homepage müssten sich fragen: "Für wen mache ich das?" Siegers Antwort: "Ich schreibe nicht für den Bischof!" Natürlich sei der zeitliche Aufwand für eine gut gemachte Homepage enorm, sagt Pfarrer Sieger. "Aber um die Präsentation muss sich nicht der Seelsorger kümmern." Die Webmaster sind meist ehrenamtliche Mitglieder der Pfarrgemeinde, deren Hobby das Programmieren am Computer ist. Deshalb fallen außer Telefongebühren und den geringen Kosten für Speicherplatz im Netz keine Ausgaben an. Das Bruchsaler Angebot ist bei der "Netzgemeinde" inzwischen bekannt. 272 000 Aufrufe der Bruchsaler Homepage von 19 000 Leuten hat Sieger im Jahr 1999 gezählt: "Das muss man mal mit der Zahl der Gottesdienstbesucher vergleichen..."

"Sinnvolles regionales Portal suchen"

Damit Leute, die im Internet surfen, auf die Homepage einer Pfarrei stoßen, ist es wichtig, dass möglichst viele andere Seiten einen Verweis auf das Angebot setzen. _Steht der Link nur auf der Homepage des Bistums, beschränkt man sich auf einen Insiderkreis", gibt Michael Belzer von der katholischen Glaubensinformation zu bedenken. Sein Vorschlag: "Suchen Sie sich ein sinnvolles regionales ,Portal`, das häufig besucht wird." Das kann die Homepage der Stadt sein, einer großen Bank oder der regionalen Tageszeitung. Dort suchen etwa Touristen nach Informationen über ihre Urlaubsregion und stoßen dabei auf das Angebot der Kirche. Die Internetseite der Seelsorgeeinheit Hechingen ist 1998 aus einem Firmprojekt entstanden. Neun Jugendliche im Alter zwischen 14 und 25 Jahren aktualisieren die Seiten. "Mindestens einmal im Monat treffen wir uns und überlegen, was wir ändern oder erneuern können", erklärt Webmaster Stefan Walter. Der Aufwand sei relativ hoch, "aber es macht den Jugendlichen Spaß." Beim Start sei ihnen zuerst der Gedanke gekommen, dass die Kirche in der Gesellschaft ein eher negatives Image habe, berichtet Stefan Walter: "Wir wollten ein positives Image schaffen, deshalb sind unsere Seiten so bunt." Die Projektgruppe präsentiert die Homepage der Pfarrei bei verschiedenen
Anlässen - sei es nun das Pfarrfest oder ein Firmenfest im Bereich der Seelsorgeeinheit. Sponsoren haben einige Computer bezahlt, die jetzt ein "mobiles Internet-Cafe" bilden. "Wir haben schon Seiten für lokale Unternehmen gestaltet, auch die Stadtverwaltung wollte von uns wissen, wie wir die Homepage aufgebaut haben", erzählt Stefan Walter. Mittelfristiges Ziel der Projektgruppe ist es, im Rahmen der offenen Jugendarbeit der Pfarrei einen wöchentlichen Internet-Cafe-Abend anzubieten. Eine Schwierigkeit des Internet ist seine Unübersichtlichkeit: "Das Wesen des Mediums ist chaotisch und anarchisch, nicht hierarchisch", so Norbert Kebekus, Referent für Internet und Pastoral im Seelsorgeamt Freiburg. Das erschwert nicht selten die Suche nach einem bestimmten Angebot, dessen Adresse man nicht kennt. Die Erzdiözese Freiburg wird im kommenden Winter ihre Homepage komplett überarbeiten - danach soll sie eine Eingangsplattform sein für kirchliche Angebote der Erzdiözese, erklärt Pressesprecher Thomas Maier. Die Seiten der Pfarrgemeinden sollen allerdings nicht vereinheitlicht werden, wie es manche Webmaster befürchten. Norbert Kebekus: "Ich finde es fatal, wenn die Homepage einer Pfarrei vom Generalvikar genehmigt werden muss." Er kenne eine Diözese, wo dies der Fall sei. "Die Verantwortlichen haben das Prinzip des Mediums nicht erkannt." Webmaster bereits bestehender Angebote wünschen sich eine gewisse Eigenverantwortlichkeit und die Freiheit, auch mal etwas Außergewöhnliches ausprobieren zu dürfen. Für den seelsorgerlichen Teil müsse der Pfarrer oder Pastoralreferent verantwortlich sein, sind sich Experten einig. Ein zusätzlicher Zeitaufwand für ohnehin schon stark beanspruchte Hauptamtliche. "Der Aufbau eines InternetAuftritts erfordert die Verlagerung des Zeitbudgets", räumt Norbert Kebekus unumwunden ein. Sich einmal mit dem Gedanken einer pfarreieigenen Homepage auseinander zu setzen, ist bestimmt nicht verkehrt. Denn irgendwas muss doch dran sein - an diesem überschwänglichen Lob im Gästebuch der Pfarrgemeinden Dogern. 

Burkhard Schäfers                                                             zurückzurück

 
 
aus Konradsblatt Nr.27 http://www.konradsblatt.de/konradsblatt/archiv/im.htm