Geleitwort
Omnia ad maiorem Dei gloriam -
Alles zur größeren Ehre Gottes

Ein wunderbares Geschenk, für das wir Gott und den Menschen zu danken haben, ist in diesem denkwürdigen Jubiläumsjahr 2000 die neue Orgel in unsrer Pfarrkirche St. Peter. Alle, die dazu beigetragen haben, setzen damit in Ilvesheim ein hoffnungsvolles Vorzeichen vor das beginnende dritte Jahrtausend nach Christi Geburt und geben zugleich ein Signal für das Stehen in einer verpflichtenden Tradition wie für den Willen einer lebendigen Weitergabe des christlichen Glaubens.

Für eine Pfarrgemeinde ist eine Orgel kein musikalischer Selbstzweck, sie steht vielmehr im Dienst der Verherrlichung Gottes, dessen „Ehre der lebendige Mensch" ist (Irenäus von Lyon). Verherrlichung Gottes ist Sinn von Kirche und christlicher Liturgie, denn in­dem sie Gott die Ehre gibt, bekennt sie sich zugleich zur Würde des Menschen und zur Größe seiner Berufung, am Leben und Lieben des dreifaltigen Gottes teilzunehmen.

Zur Zeit Johann Sebastian Bachs, dessen religiösen und künstlerischen Genius gerade die Orgel- und Kirchenmusik unvergängliche Werke zu verdanken hat, verlangte man von einer gelungenen Komposition drei Dinge: docere, movere, delectare; Maßstab für ein gelungenes musikalisches Werk sollte sein, dass man erstens davon etwas lernen kann, also seine Aussage, seine Botschaft („docere") sind gefragt, dass zweitens die Musik den Menschen bewegt („movere") und drittens, dass sie Freude bereitet („de­lectare"). Im Anschluss an diesen dreifachen Qualitätsmaßstab möchte ich im Blick auf unsere neue ilvesheimer Orgel, auf diejenigen, die sie spielen und die sie hören werden, einen dreifachen Wunsch als Wegweisung äußern:

1. „Docere" - Belehren: In erster Linie sei unsre neue Orgel ein Instrument, das der Verkündigung und Auslegung des Wortes Gottes dient. Mit ihrer „Klangrede" ist die Orgel integrierender Bestandteil unsrer Gottesdienste, indem sie mit ihren vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten das Hören des Evangeliums und die Feier der Sakramente erschließen und vertiefen hilft. Sie bringt das Lob Gottes zum Klingen und ist ein vorzügliches Mittel der geistlichen Schriftsauslegung, die nicht nur den Intellekt des Menschen anspricht.

2. „Movere" - Bewegen: Ziel ihrer musikalischen Botschaft sei es, den Menschen zu bewegen, dem Kult des Banalen zu widerstehen und sich im Interesse der Kultur wahrer Menschlichkeit auch im Zeitalter der industriell hergestellten Tonkonserven, ein Sensorium für das Kreative und Originale, für das Schöne, Wahre und Gute, vor allem für das Heilige und Anbetungswürdige zu bewahren. „Sursum corda!", „Erhebet die Herzen!", unsre Orgel überbringt als musikalische Botschafterin die prophetische Kritik der Bibel an jedem Versuch, den Menschen und seine Welt auf die oberflächliche Eindimensionalität des rein Faktischen und nur ökonomisch Nützlichen zu reduzieren. Ihre Musik erreicht menschliche Bereiche jenseits von Begriffen und Worten, in denen in ursprünglicher Ahnung der göttlichen Größe und Schönheit auch etwas vom Geheimnis unsres Lebens und der Tiefendimension der Schöpfung zu verspüren ist.

3. „Delectare" - Erfreuen: Der Gottesdienst der Kirche und das gelungene liturgische Orgelspiel mögen dazu einladen, an der Freiheit und Freude Gottes teilzunehmen, die im Kult gefeiert und dankbar empfangen wird. Es tut jedem Menschen einfach not und gut, aus der Welt der Zwänge und der Zwecke auszusteigen, um in Freiheit und Freude seines Mit-Gott- und Mit-Menschseins innezuwerden: „Ihr seid zur Freiheit berufen" (Gal 5, 13) und aus der Freude der Erlösten zu leben: „Die Freude an Gott, Halleluja, ist ist unsere Kraft, Halleluja." (Gotteslob 627, 2). Gerade in einer Gesellschaft, die sich selbst als „Entertainment-" und „Spaßgesellschaft" in zuweilen geistloser und banaler Selbstbefriedigung inszeniert, wobei Unterhaltung und Spaß sich oft genug auf virtuelle und mediale Surrogate reduzieren, die ihre Konsumenten nur noch unbefriedigter und einsamer werden lassen, bedarf es der Feier und des Empfangs authentisch erlebbarer Befreiung zur Freiheit und geisterfüllten Freude Gottes in der Liturgie der Kirche und im gemeinsam gelebten Zeugnis der Christen.

Unsre Orgel sei ein Instrument, von dem wir uns etwas sagen, uns bewegen und erfreuen lassen sollen; mein dreifacher Wunsch spiegelt sich im Lobpreis der Liturgie der Orgelweihe und formt sich so wie von selbst zum wegweisenden Gebet in die Zukunft:

„Gott der Freude, du hast den Menschen in der Musik ein wunderbares Geschenk gegeben. Der Klang dieser Orgel wecke in uns die Freude, daß wir Kinder Gottes sind. Wir loben dich. Wir preisen dich. - Der Klang dieser Orgel erinnere uns daran, daß dein Wort Frohe Botschaft ist. Wir loben dich. Wir preisen dich. - Der Klang dieser Orgel stärke in uns die Hoffnung auf die unvergängliche Freude. Wir loben dich. Wir preisen dich. - Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen".

Dr. Axel Mehlmann  
Pfarrer           
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